aus: “The Aerial World” (Dr. G. Hartwig, 1886)

Elmsfeuer (Met.:) St.-Elms-Feuer, das; -s, – [wohl nach dem heiligen Erasmus (roman.: Sant’Elmo, Santo Elmo), dem Schutzpatron der Seeleute]; bei Gewitterluft auftretende elektrische Lichterscheinung an hochstehenden, spitzen Gegenständen wie Masten, Türmen usw.
Duden. Das grosse Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden. Cl-F. Mannheim 1976.

 

 

Das St. Elmsfeuer gehört zu den Wetterlichtern, also zu den geräuschlosen Erscheinungen der elektrischen Flamme. […] Zuweilen bilden sich bei Gewitterluft an den Spitzen der Thürme, Masten, Raaen, Gebäude, und selbst an Menschen und Thieren, an Lanzenspitzen oder Bajonetten, leuchtende Strahlenbüschel oder Flammen der ausströmenden elektrischen Materie, die von den schmalen Oberflächen nicht fest genug gehalten werden kann, und bei der allgemeinen Elektrisirung der Atmosphäre in dieselbe übergeht […] Auf dem Lande heissen diese Flämmchen Wetterlichter, auf den Schiffen St. Elmsfeuer.
Eduard Bobrik: Handbuch der praktischen Seefahrtskunde. Verlag Jul. Fröbel, 1846.

Das klassische und historisch überlieferte Elmsfeuer ist allerdings ein bläuliches Flämmchen, welches mitunter minutenlang an metallischen Gegenständen zu sehen ist. Dieses entsteht nicht nur bei Gewitter, sondern auch bei hohen Feldstärken, die zum Beispiel durch die Kombination von Niederschlag und starken Wind entstehen. Wenn die Spannung groß genug ist, fließt zwischen der geladenen Luft und einer Spitze Strom. Die Luft wird ionisiert und ein flammenähnlicher, blassblau flackernder Lichtschein entsteht.Am häufigsten ist es an Schiffsmasten oder Maschendrahtzäunen zu sehen. Überliefert ist es auch von den Fingerspitze, die bei hoher Spannung nach oben gehalten wurde, jedoch ist dies ein lebensgefährliches Unterfangen!
www.meteoros.de

Auch aus der Luftfahrt ist das Phänomen inzwischen bekannt. Elmsfeuer auf der Frontscheibe eines Flugzeugs:

Literarische Erwähnung finden Elmsfeuer häufig, im eigentlichen wie im metonymischen Sinne. Shakespeares “Tempest” und Melvilles “Moby-Dick” können als prominente Beispiele angeführt werden. Oder Karl Mays Jugenderzählung “Der Geist des Llano estakado” (1888). Daneben etwa auch:

Nicht einmal Auffälliges, wenn der Reisende nach vorn späht, vorbei am breiten gekrümmten Rücken des Kutschers: kein glitschiger Farn, von dem es schwarz abtropft; keine fleischfressenden Pflanzen, in denen Fliegen verschwinden, Schnaken oder sogar Bienen; keine Hunde mit phosphoreszierendem Fell und ausserordentlich starken Reisszähnen; keine Hirsche, deren Geweih von Elmsfeuer umhuscht wird; […]
Dieter Kühn: Stanislaw der Schweiger. Suhrkamp, 1975.

In der Nähe von Rellingen, bei dem Dorfe Egenbüttel, ist nach mündlicher Mittheilung eines Ständeabgeordneten ein keines Tannengehölz von lichten Flämmchen so übersäet gewesen, als wäre es aus lauter brennenden Weihnachtsbäumen aufgebaut.
Ludwig Meyn: Die St. Elmsfeuer im Januar 1863. In: Die Gartenlaube, 1863.

Die Flamme der Lust, das Elmsfeuer der Zärtlichkeit, das helle, rasche Wetterleuchten des Blutes – man kannte das, man kannte alles, man kannte so viel, daß man glaubte, nie wieder würde die weiche, goldene Verwirrung das Gehirn überschwemmen können –,und dann stand man plötzlich in einer Nacht vor einem drittklassigen Hotel, und es stieg wie Rauch aus dem Asphalt, und man spürte es, als käme von der andern Seite der Erde, von blauen Kokosinseln, die Wärme eines tropischen Frühlings, filtere sich durch Ozeane, Korallengründe, Lava und Dunkelheit und stiege jäh auf in Paris, in der schäbigen Rue de Poncelet, mit dem Duft von Hibiskus und Mimosen, in einer Nacht voll Rache und Vergangenheit, unwiderstehlich,unwidersprechlich, rätselhafte Erlösung des Gefühls …
Erich Maria Remarque: Arc de Triomphe (1945)

Neben einer deutschen “Mittelalter-Rock” oder “Piratenrock”-Band, die den Namen Elmsfeuer trägt, ist das Wetterphänomen – wieder in metonymischer Verwendung – durch John Parrs Titelsong für den gleichnamigen Film in die Geschichte der Populären Musik eingegangen: “St. Elmo’s Fire (Man in Motion)” (1985, USA #1).

 

Weiterführend:
Palmer, Sean B.: St. Elmo’s Fire.

 

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