Arthur Joseph “Art” Mooney, * 1911 in Lowell, MA, war autodidaktischer Tenorsaxophonist und hatte in den 1930er-Jahren als Bandleader in Detroit Fuss zu fassen versucht. Nach seinem Kriegsdienst tauchte er um 1947 in New York auf, wo er sich zunächst eine klassische Swing-Big-Band zusammenzustellen versuchte. Neben anderen sangen der junge Dean Martin und Fran Warren in dieser Band, der spätere TV-Star Sid Caesar spielte eine Zeit lang Saxophon.

Bald aber begann Mooney, das klassische Band-Format aufzubrechen: vom Bandleader Paul Whiteman warb er den Banjoisten Mike Pingatore ab, integrierte ein Glockenspiel in sein Orchester und scharte bis zum Jahresende 1947 ein grosses Gesangsensemble um sich. Derart ausgerüstet begann Mooney nun alte Weisen neu aufzubrühen, zum Beispiel den Schlager “I’m Looking Over A Four-Leaf Clover” von Harry M. Woods und Mort Dixon, zum ersten Mal 1927 vom Jazz-Gitarristen Nick Lucas gespielt.

Mooneys Orchester und Chor schmetterten das Lied zu damals ungewohnter Banjo-Begleitung, und zwar unisono, anstatt mit Harmoniegesang. Eine Herausforderung für die Hörgewohnheiten der Zeit, wie auch der legendäre Radio-DJ Albert “Jazzbo” Collins erfahren musste. Dieser – sein Beiname klärt über seine musikalischen Präferenzen auf – hatte von Mooney ein Exemplar der Aufnahme mit persönlicher Widmung erhalten und spielte die Platte, zuvor ungehört, in seiner Sendung, dem “Jazzbo Jamboree”, gesendet aus Salt Lake City.

“I don’t really believe this, but maybe I’m wrong. Let’s listen again!”, habe der empörte DJ gerufen. Was folgte beschrieb die Presse tags darauf als “radio’s first filibuster”: Über zwei oder drei Stunden spielte Collins nur diesen einen Song, gab ihm ständig neue Namen, machte ihn lächerlich, wollte ihn in einem Nachmittag fertigmachen. Der Schuss ging jedoch nach hinten los: die Telefonleitungen glühten, Fans sollen gesagt haben, endlich werde in dieser Sendung mal etwas Gutes gespielt, letztlich kollabierten die Leitungen gar und die Polizei von Salt Lake City musste einschreiten.

Mooneys Version von “I’m Looking Over A Four-Leaf Clover” kletterte am 21. Februar 1948 auf den ersten Platz der US-amerikanischen Hitparade. Unverhofft wurde Collins’ bitterer Publicity-Stunt für den Bandleader Mooney zum Startschuss einer erfolgreichen Karriere. Seine gutgelaunten Neuaufnahmen alter Schlager, seine stilistische Flexibilität und Offenheit für komödiantisches Novelty-Material waren die Grundsteine des Erfolgs, der im Laufe der Jahre weitere Millionseller hervorbrachte: “Baby Face”, “Nuttin For Christmas”, “Honey-Babe”.

Quellen:
Adams, Greg. “Radio’s first filibuster” gave Art Mooney an unlikely hit in 1948. 2014.
Poschardt, Ulf. DJ Culture: Diskjockeys und Popkultur. Hamburg: Rogner & Bernhard, 1995. 48f.

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